Ungeahnter Pfeffer

Tutzing -
Orgel und E-Bass; die Königin der Instrumente und das moderne Pendant des stets vernachlässigten und geschmähten Kontrabasses – wie geht das bloß zusammen? Es geht, das beweisen Anna Peszko und Hannes Hogl auf uhrer Debüt-CD „pas de deux“, und es geht sehr gut.
Es muss freilich nicht immer die Orgel, in diesem Fall der Tutzinger Christuskirche, es darf auch der Konzertflügel sein: im entspannten Jazzpiece „Fovere“, in den listigen Grooves von „Col Lavis“ oder den melancholischen Melodien eines „Mas Maou“ - allesamt intelligente, reduzierte Kompositionen Luigi Campalas. Anna Peszko, viele Jahre Organistin in Tutzing, spielt mehr als nur ein oder auch zwei Instrumente und geizt nicht mit ihrer Vielseitigkeit: Auch an der Klarinette ist die am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium umfassend ausgebildete Musikerin zu hören; mit einer jazzig aufpolierten Version des „Schwans“ aus Saint-Saëns´ „Karneval der Tiere“.
Dass das Grenzgängertum zwischen Klassik und Moderne bei Anna Peszko und Hannes Hogl nicht fehlgeht, liegt zum einen an der technischen Souveränität der beiden Instrumentalisten. Zum anderen aber auch an der verblüffenden Lässigkeit, mit denen die beiden Klischees sprengen und so zusammenspannen, was – anscheinend – nicht zusammengehört.
Funktionieren kann dieses Konzept, weil Peszko und Hogl im Umgang mit Komposition und Instrumenten eine schon fast tänzerische – und damit erklärt sich auch der aus dem Ballett entlehnte Titel der Aufnahme – Leichtigkeit an den Tag legen: Bachs nach Generationen von Klavierschülern gnadenlos abgenudeltes C-Dur-Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“ beispielsweise entfaltet in der Bearbeitung für Orgel und Bass ungeahnten Pfeffer, weil die zwei sich mutig, munter, spritzig an das Werk machen und seine engen Dimensionen um verblüffende handwerkliche Volten und originelle rhythmische Spritzer erweitern.

KRISTINA HAWLITZEK



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