Augsburger
Allgemeine am
23.August 2006
Musik
– mit Mut
gespielt
Orgel und ein E-Bass in
der Kirche
St. Margareth
(skn);
Bekanntes in Unbekanntes und umgekehrt verwandelte das hier längst
bekannte Duo Peszko und Hogl in der ungewöhnlichen Formation
Orgel und E-Bass.
Ein
bisschen Mut gehört schon dazu, wenn Klassikern wie Camille
Saint-Saëns berühmtem, ursprünglich majestätisch
gleitenden „Schwan" („Le cygne d'Afrique") ein
wiegender Swingrhythmus unterlegt wird. Das Klangresultat jedoch
überzeugte und stellte etwa Wolfgang Amadeus Mozarts
Klavierfantasie in d-Moll KV 385 in eine - im besten Sinne -
eigenartige Perspektive: Mit groovigen Bass-Schritten trieb Hannes
Hogl das Geschehen voran und gliederte so Anna Peszkos durchsichtig
artikulierende Orgelversion in pointierte Synkopierungen.
Aufbruch zu neuen Ufern
Schien
sich dabei das
„Super-Keyboard" von St. Margareth zunächst gegen diese
eher unübliche Behandlung zu sträuben, so fügte sie
sich spätestens im sanft beginnendem Blues „Fovere" von
Luigi Campala (*1970) Anna Peszkos gekonnt wiegendem Fundament. Dabei
entstammt die 1973 in Danzig geborene und - wie ihre Jazz-Kollegin
Barbara Dennerlein - in München lebende Tastenvirtuosin
eigentlich der klassischen Sparte. 2001 brach sie dann mit dem
Vollblut-Jazzer Hannes Hogl aus Konstanz zu diesen originellen Ufern
auf. Seitdem verzeichnen die beiden Grenzgänger eine stetig
ansteigende Konzertkurve und auch an diesem Abend ein ebenso
vielzähliges wie begeistertes Publikum.
Zu dessen Favoriten zählten insbesondere Astor Piazzollas melancholisches „La Fortezza dei grandi Perche", das mit seiner unendlichen Gitarrenkantilene und den akkordeonähnlich registrierten Orgelschritten in die Nähe des Originalklangs gerückt wurde. Auch im abschließenden Finalsatz „Despedida" aus dem Marimbakonzert op.12 von Ney Rosauros (*1952) suchte Anna Peszko den klanglichen Charakter des Soloinstruments. Nach virtuoser Kadenz in> die eingespielte Einheit mit ihrem vollgriffigen E-Bass-Partner zurückgekehrt, beendeten beide frisch und frei diese vielversprechend ungewöhnlichen „30 Minuten Musik in den Ulrichskirchen".